Hier tippt die Ortenau

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Sonntag, 18. Juli 2010

Ziel erreicht: Zehn Stadien besichtigt

Das Viertelfinale haben wir im kalten Pretoria gesehen. Und spätestens nach dem Sieg stand fest, dass wir unsere Reise erneut Richtung Durban fortsetzen. Wir fuhren über die Nacht nach Durban um Zeit und Geld zu sparen. Zudem ist es angenehmer auf einer fast leeren N2 zu fahren.

Langsam kam das Spiel näher und es stellte sich auch wieder die Ticketfrage, denn zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine. Wie das Glück so will, habe ich bereits im Backpacker einen Schotten getroffen, der ein Ticket übrig hatte. Kurzerhand habe ich die erste Möglichkeit genutzt und habe ihn zum Spiel begleitet. Vor dem Stadion gab es zahlreiche weitere Ticketverkäufer.



Nach dem Spiel hätte ich gerne gefeiert, aber die falsche Mannschaft hat leider verdient gewonnen. Allerdings war das mit dem Feiern nach den Spielen sowieso ein Thema für sich. Es kam nie die gleiche Stimmung auf, wie zu Hause beim Public Viewing. Im Fanpark hier wie im Stadion waren die Fans bunt durcheinander gemischt. Zudem haben sich viele Südafrikaner nach dem Ausscheiden ihrer Mannschaft irgendeinem anderen Team angeschlossen. Diese haben sich zwar gefreut, wenn ihr neues Team gewonnen hat, aber das war es auch. Hier habe ich gemerkt, dass ich das Feiern mit meinen Freunden und richtigen Fans in Deutschland nicht zu ersetzen ist während dieser Zeit.

Die beiden letzten Spiele haben wir uns auf unserer Rückreise nach Stellenbosch angeschaut. Genauer gesagt in der Nähe von Bloemfontein. In dieser Stadt haben wir das letzte der zehn WM-Stadien besucht und damit unser angestrebtes Ziel erreicht. Am morgen des Spiels um Platz drei hat auch das nächste große Event begonnen, auf das sich Südafrika konzentriert. Die „Springboks“, das Rugby-Nationalteam von Südafrika, haben mit einem Auswärsspiel bei den „All Blacks“ (Neuseeland) den Tri-Nationscup eröffnet. Hier streiten sich die beiden genannten Mannschaften mit Australien um den Titel. Die drei Heimspiele in Südafrika finden in drei WM-Stadien statt, die nun vorerst wieder nur für Rugbyspiele zur Verfügung stehen.

Ich bin mittlerweile wieder zurück in Stellenbosch. Bei winterlichem Wetter geht am Montag das Semester wieder los. Ab September stellt sich wieder der Sommer ein. Jedoch gilt hier das ganze Jahr: „Dis altyd Lente in die oe van die Stellenbosch studente“ – Es ist immer Frühling in den Augen der Studenten.

Samstag, 12. Juni 2010

Erste Eindrücke nach 3000 Kilometern durch Südafrika

Seit Anfang Juni sind wir auf Tour und haben schon fast 3000 Kilometer hinter uns. Von Stellenbosch ging es, hauptsächlich auf der N2, in den Osten des Landes. Auf der Garden Route, dieeine der grossen Touristenattraktionen in Suedafrika ist, haben wir vieles erlebt. Die Landschaft wechselt staendig. In der Stellenboschregion ist diese von ueberwaeltigenden Bergen gepraegt. Ab Knysna wandelst sie sich in eine tiefe, huegelige Waelderlanschaft.



Je weiter man von Kneisna wegfaehrt, desto weniger wird der Wald und es zeigen sich endlos weite Landschaften mit Bergen an der linken und der Ozean an der rechten Seite. Hier findet man auch das Surferparadis um Jeffreys Bay, wo sich eines morgens um die 30 Delfine zeigten und durch die Wellen surften.

Die landschaftlich beste Aussicht hatten wir bisher in der Transkei. Diese Region befindet sich zwischen East London und Durban und ist wohl das typischste Arfika. Kuehe, Schafe und andere Tiere laufen willkuerlich auf der Strasse umher. Auf den vielen Huegeln stehen vereinzelt so genannte "Hats". Kleine, runde und bunte Haeuschen, ohne jeglichen Luxus. Hier leben die Afrikaner der Xhosa Kultur, wie auch einst Madiba, besser bekannt als Nelson Mandela.

Unser Backpacker befaand sich in Coffee Bay. Mit dem Auto muss man auf der einzigen Strasse ca 80 km von der N2 fahren, auf einer loechrigen Strasse, auf der viele Menschen und Tiere unterwegs sind.

Nach 2 tollen uebernachtungen in der Region, die wir bei einer Wanderung mit einem Einheimischen auch genauer kennen gelernt haben ging es am Freitag Richtung Durban. Geweckt wurden wir an diesem Tag von Vuvuzelas, die den ganzen Tag zu hoeren waren. Auf der Rueckfahrt, ausgestattet mit Bafana Bafana Trikots, auf der vorher beschriebenen Strasse sahen wir viele Einheimische, die mit Flaggen und Vuvuzelas unterwegs waren. "Can u feel it? It is here!" Das ist der Spruch, der nun kusiert. Und wir konnten es fuehlen.



Leider sassen wir um 16 Uhr bei Anpfiff des Eröffnungsspiels immernoch im Auto und dass wir es rechtzeitig nach Durban schafften, war utopisch. Kurz nach 4 entdeckten wir neben der Strasse ein kleines Pub, gefuellt mit 100 schwarzen Suedafrikanern. Wir hielten an und gesellten uns dazu. Gleich wurden wir freundlich aufgenommen und waren der anziehungspunkt fuer alle. Bei dem 1:0 und tosendem Jubel war klar, dass wir alles richtig gemacht haben. Jeder kam und wollte mit uns abklatschen und war uebergluecklich. Leider stand am ende nur ein Punkt da, jedoch waren alle gluecklich und haben weiter gefeiert, waehrend wir unsere Fahrt nach Durban fortsetzten.
In Durban haben wir unsere Tickets fuer das Deutschlandspiel abgeholt und entsprechend ausgestattet, damit wir morgen unsere Farben zum sieg schreien koennen!

Mittwoch, 9. Juni 2010

Fest auf Reisen beim großen Fußballfest

Endlich ist es soweit. Nach einem tollen Semester geht es sechs Wochen mit dem Auto durch Südafrika. Und endlich steht die WM vor der Tür. Geplant haben wir dabei nicht viel. Nur zwei Termine stehen bisher fest: 13. in Durban und 25. in Nelspruit. Dumrum versuchen wir eine schöne Tour zu bauen, um viel vom Land zu sehen. Die ersten Tage werden wir der Garden Route widmen und anschließend durch die Transkaai ins warme Durban.

ZWEI STADIONBESUCHE SIND FEST EINGEPLANT

Nach dem ersten Deutschlandspiel werden wir durch die Drakensberge über Johannesburg Richtung Nelspruit fahren. Ein erneuter Besuch im Krüger-Park ist geplant, der Rest ergibt sich spontan. Für das Finale haben wir uns vorgenommen, in Johannesburg zu sein. Wir hoffen natürlich, dass wir dann der deutschen Mannschaft die Daumen drücken können. Für mich gibt es keinen wirklichen Favoriten. Sehr schön wäre natürlich, wenn der Weltmeister 2010 aus Afrika kommen würde. Das würde die ohnehin schon gute Stimmung wohl nochmals steigern.
Es bleibt letztendlich abzuwarten und auf eine gute WM mit vielen guten Spielen zu hoffen. Zwei Spiele werden live im Stadion geschaut: Deutschland gegen Australien und Elfenbeinküste gegen Nordkorea. Weitere Karten haben wir nicht bekommen. Versucht haben wir es. Gerade das letzte Gruppenspiel der Deutschen hätte prima in unseren Reiseplan gepasst. Als wir nachgeschaut haben, waren für unser Spiel noch wenige Karten verfügbar, als wir eine Minute später den Kaufvorgang via Internet gestartet haben, war es bereits zu spät.
Wir werden dieses Spiel voraussichtlich nicht im Stadion, aber trotzdem in Johannesburg anschauen. Viele Freunde von der Uni sind auch auf Tour und wohl zur gleichen Zeit in Johannesburg. Ausgestattet mit Deutschlandtrikot, Flaggen, Vuvuzelas und entsprechenden Farben auf dem Körper, werden wir mitfiebern.

VUVUZELAS NACH STRESS MIT VON DER PARTIE

Die Vuvuzelas, die eigenartigen Instrumente der afrikanischen Fans, wurden nach teils heftigen Diskussionen doch nicht verboten. Ganz im Gegenteil: Bei den Halbfinals und beim Finale der Rugby-League waren die ausdrücklich erlaubt, um die weißen Rugbyliebhaber für die Fußballatmosphäre und die WM zu begeistern. Inwieweit dies gelungen ist, wird man in den nächsten Wochen sehen.

Montag, 31. Mai 2010

Kleiner Krimi vor großer Reise

Bisher bin ich komplett von irgendwelcher Form der Kriminalität verschont geblieben. Doch Ende Mai hat es mich erswischt. Zusammen mit einem Kumpel war ich zu einem Sportgelände etwas außerhalb von Stellenbosch gefahren. Die Fahrräder hatten wir direkt neben dem Platz vor die große Tribüne gestellt. Ans Abschließen dachten wir nicht. Wir hatten ja nur wenige Meter entfernt unsere Tore aufgebaut. Auf der anderen Seite des Platzes hat ein Rugbyteam trainiert. Auch Rucksäcke und Schlüssel hatten wir, wie alle anderen, dort deponiert. Als ich während des Fußballspiels Richtung Tribüne blickte, war es bereits geschehen. Der Dieb hatte es wohl einzig auf mein Fahrrad abgesehen. Sonst fehlte nämlich nichts. Von der Polizei habe ich nach meiner Anzeige eine Fallnummer erhalten inklusive Kontakt (siehe Foto), unter dem ich mich melden sollte, falls ich das Fahrrad finden sollte.




Er habe sein Fahrrad bei einem Händler wiederentdeckt, erklärte mir ein befreundeter Fußballspieler. Diese minimale Chance wollte ich nutzen. Ich habe mir kurzerhand ein Rad geliehen und habe mich auf den Weg in die Stadt gemacht. Kurz vor meinem Ziel kam mir ein etwa 35 Jahre alter Mann auf einem Fahrrad über die Quere, das mir mehr als nur bekannt vorkam. Ich heftete mich an seine Fersen. 15 Minuten ging die Fahrt kreuz und Quer durch die Stadt, die Polizei hatte ich längst informiert.


Plötzlich blieb der Dieb an einem Bordstein hängen, das hintere Schaltwerk war zerstört. Zwangsläufig musste er anhalten. Ein Freund, den ich vorher ebenfalls angerufen hatte, half dem Mann – vermeintlich – bei der Reparatur. In Wirklichkeit war es seine Aufgabe, den Fahrraddieb bis zum Eintreffen der Polizei hinzuhalten.
Die Rahmennummer meines Rades hatte ich in meinem Handy eingespeichert, was der Polizei als Beweis genügte. Der Dieb wurde abgeführt. Allerdings muss ich nun die Reparaturkosten von zirka 250 Rand – knapp 30 Euro – selber bezahlen.

Dienstag, 25. Mai 2010

Der Ball soll endlich rollen

Bei meiner Unimannschaft hat die Saison mittlerweile richtig begonnen. Wöchentlich wird Fußball gespielt. Oft auch mehr als ein Spiel. Die Info, dass ein Spiel stattfindet bekommen wir meistens erst ein paar Tage vorher. Einen festen Spielplan gibt es nicht. Die Mannschaft besteht zur Hälfte aus Südafrikanern, schwarzen und weißen.

Die andere Hälfte sind Internationals aus Kanada, Zambia, Norwegen, Namibia, Holland und eben ich aus Deutschland. Die Spiele der Studentenliga waren bisher immer auswärts in Kapstadt. Auf der Fahrt geht es immer am riesigen Township Khayelisha vorbei. Auf dem kleinen Grünstreifen, der die Autobahn vom Township trennt, trainieren abends viele Mannschaften aus dem Township. Der meist sehr unebene und sandige „Trainingsplatz” ist sehr schlecht bespielbar und die Tore sind oft nur zwei Pylonen oder Gummireifen. Das macht den fußballverrückten Südafrikanern nicht viel aus. Die Hauptsache ist, dass der Ball rollt. Man sieht oft eine Mannschaft trainieren, wenn man durch die Straßen fährt. Sobald sich eine Grünfläche findet, wird der Ball ausgepackt.

Je näher wir der Stadt kommen, desto seltener sieht man ein solches Training. Ab da hat man nur den prächtigen Tafelberg vor den Augen. Auf dem nagelneuen Kunstrasenplatz der University of Cape Town finden die Spiele statt. Kabinen und Duschen gibt es keine.

Kurz vor dem Spiel stehen wir in der Runde zusammen und es wird „gebetet“: Eins, zwei, drei… Maties.” Das Spiel beginnt. Meistens spielen wir gegen schwarze Teams. Ausnahme ist das Team der englischsprachigen UCT, in dem nur wenige Schwarze antreten. Nach dem Spiel geht es wieder raus aus der Großstadt, vorbei an dem Kapstadter Lichtermeer und den Township, zurück ins kleine Stellenbosch. Unsere bisherige Ausbeute aus fünf Spielen: Drei Siege und zwei Niederlagen schlagen zu Buche.

Donnerstag, 22. April 2010

Rundreise geplant für die Turnierwochen

In 52 Tagen ist es endlich soweit. Dann beginnt für alle Fußballfans eine herrliche Zeit. Vergangene Woche hat die fünfte Verkaufsphase begonnen, die bis zum Anfang des Turniers dauert. In dieser Phase werden die letzten 500000 Karten verkauft. Zum einen geht das bequem über das Internet, zum anderen auch direkt am Schalter. Dies versuchten letzten Donnerstag viele Fußballbegeisterte in Stellenbosch. Eine lange Menschenmenge schlängelte sich aus der FNB-Bank, als wir versucht haben an mehr Infos zum Verkauf zu kommen. Wir haben es daher übers Internet probiert. Das war erst abends möglich – noch nicht zu spät, um an Tickets zu kommen. Nach dem ersten Deutschlandspiel in Durban, das wir uns schon in der dritten Phase sicherten, heißt das nächste Ziel Nelspruit: Nordkorea gegen Elfenbeinküste.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass weitere Karten für uns drin sind. Für die WM-Zeit haben wir, zwei deutsche Studenten und ich, uns ein Auto gemietet, um das Land zu erkunden. Da die Spielorte weit auseinander und die Spiele nicht immer passend liegen, können wir es leider nicht realisieren, sehr viele Spiele live anzuschauen.
An die Tickets zu kommen, scheint das kleinere Problem zu sein. Im Internet gibt es auf der Seite der FIFA eine Übersicht der Verfügbarkeit. Es scheint noch Karten für alle Spiele zu geben. Keine der Kategorien ist bis jetzt mit rot für „ausverkauft“ gekennzeichnet. „Momentan nicht verfügbar“, heißt es dagegen bei den meisten. Ob diese Karten frei werden und wann, weiß keiner genau.

Die billigere vierte Kategorie ist eigens für die Südafrikaner reserviert, damit sich auch viele Einheimische Tickets leisten können. Die weißen Südafrikaner wissen zwar nicht, wie man Fußball schreibt, wollen sich aber trotzdem Spiele anschauen. Wie schon länger bekannt ist, läuft der Ticketverkauf sehr schleppend. Ob die Stadien bis zum Start unters Dach gefüllt sind, bleibt daher erstmal abzuwarten.

Montag, 5. April 2010

Unruhe kurz vor der WM

Die Lage in Südafrika könnte sich zehn Wochen vor der WM ernsthaft zuspitzen: Eugene Blanche, ehemaliger Führer der rechtsextremen AWB, wurde am Samstag von zwei schwarzen Arbeitern mit Machete und Schlagstock erschlagen.

- Hier der Link zum Spiegel-Artikel-

Die 15 und 21 Jahre alten Angreifer stellten sich. Als Motiv gaben sie einen nicht bezahlten Lohn an. Die Buren sehen den Mord jedoch unter anderen Motiven. Julius Malema, der Anführer der Jugendorganisation des ANC (African National Congress – regierende Partei in Südafrika), heizt mit „Hassreden“ die Stimmung an.

Er wolle dem Beispiel Simbabwes folgen und die weißen Farmer töten. In einem Lied, das mittlerweile vom Obersten Gericht auf die Tabuliste gesetzt wurde, sang er vor laufender Kamera: „Kill the boere“. In diesen Äußerungen sieht der AWB die wirklichen Hintergründe. Laut Zeitungsbericht will die AWB die nächsten Tage ruhig bleiben um ihrem früheren Leader zu gedenken. Nach der Beerdigung wolle man tätig werden. Es wird viel spekuliert, ob Demonstrationen ruhig verlaufen. Manche fürchten auch blutige Rache. Man fühlt sich in dieser beklemmenden Situtation wie im falschen Film. Auf einer Facebook-Seite gedenkt man dem Toten. Die Mitgliederanzahl steigt sprunghaft an. Stündlich kommen neue Kommentare hinzu. Die meistens auf Afrikaans verfassten Kommentare sind hässliche Äußerungen und Beschimpfungen gegen Schwarze. Einige versuchen auch, die Situation zu beruhigen. Andere sind neutral, bekunden ihre Anteilnahme.

Die ersten Buren packen indes schon die alten südafrikanischen Flaggen aus der Zeit der Apartheid aus. Wohin all das führen wird, ist unklar. Jedoch entsteht kommt kurz vor der WM – auch für den Gast – ein beunruhigendes Gefühl auf.

Dienstag, 9. März 2010

TIA - This is Africa


Eine Woche noch, dann sind Ferien. Jeder Student aber verbindet die letzte Woche vor den Ferien mit Abgaben von Essays und Tests. Dass dies wichtig ist, aber nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen zählt, dürfte jeder einsehen. Ich werde Donnerstag mit Afrikaans und Freitag mit meiner Ingenieursvorlesung (Electrical Drive Systems) das Vergnügen haben.

Afrikaans fällt allen Deutschen recht leicht, da die Grammatik sehr simpel ist und viele Wörter sehr ähnlich sind. Einzig die Betonung und das Buchstabieren waren anfangs etwas komisch. Nachdem man sich daran gewöhnt hat, kommt es nur noch auf das Vokabelpauken an. Ich habe es allerdings aufgegeben, die in Afrikaans gehaltene Ingenieursvorlesung, zu besuchen. Die wichtigen Einzelheiten bleiben auf der Strecke. Das Textbuch ist zum Glück auf Englisch und wird so dieses Semester den Dozenten für mich ersetzen.

Das Lernen fällt mir hier nicht wirklich leicht: das Wetter hat sich seit letzter Woche konstant auf drückend heiß eingependelt, einige Societies und viele andere Aktivitäten erschweren das Lernen dazu noch maßgeblich. Societies sind Gruppierungen aller Art: sportliche, religiöse, politische, soziale, etc. Ich habe mich bisher für die Capoeira-, Dance- und die Weinsociety eingetragen. Das bedeutet regelmäßige Trainingszeiten unter der Woche. Die Weinsociety bietet wöchentlich Touren zu den Weinfarmen oder Weinproben auf dem Campus an. Eventuell werde ich mich dem Unterwasserclub anschließen, da ich unbedingt den Tauchschein machen möchte. Die Societies sind gerade für Internationale Studenten eine gute Möglichkeit, neue Leute kennen zu lernen. Die Einladung zu abendlichen Aktivitäten und Ausflügen sind die Folge. Man kann und will ja auch nicht immer absagen.

Und dann gibt es noch den Fussball. Ich habe die Trials für das Studententeam gemeistert und trainiere nun mit einem internationalen Team für die Studentenliga. Am Mittwoch haben wir unser erstes Spiel. Gegen wen, steht noch nicht fest, auch der restliche Spielplan ist noch nicht veröffentlicht. Das ist hier nichts besonderes, organisatorisch dauert alles etwas länger: TIA – This is Africa!

Montag, 1. März 2010

Der Weg zum Kap der guten Hoffnung


Bei 37 Grad im Schatten, Windstille und keiner einzigen Wolke am Himmel haben wir uns aufgemacht, den Botmanskop, einer der zahlreichen Berge um Stellenbosch herum, zu besteigen. Als Lohn für die Schweißarbeit gab es einen herrlichen Panoramablick.


Das Wetter hier ist äußerst verwirrend, denn es wechselt ständig. Vergangene Woche zum Beispiel: Zwei Tage mit orkanartigen mal kalten mal warmen Winden und am nächsten Tag wieder null Wind und brennende Sonne. Beim Anstieg zeigen sich ein paar Wolken, die mit dem Sonnenuntergang zu einem faszinierenden Bild verschmelzen. Diese Momente sind eher selten. Die windigen Tage lassen nicht auf sich warten. Man spürt bei kaltem Wind die Kraft der Sonne nicht, die Folge Sonnenbrand. So geschehen, bei meinem Ausflug zur Cape Peninsula.

Der erste Ausflug in einen südafrikanischen Nationalpark offenbarte die wilde Seite des Landes. Paviane streunen umher auf der Suche nach Lunchpaketen. Schildkröten, Echsen, Wombats begegnen einem auf dem Weg zum Kap der guten Hoffnung. Was man sonst nur aus dem Zoo kennt, gibt es hier in freier Wildnis. Die Halbinsel am Kap, dem südwestlichsten Punkt Afrikas, zieren Kanonen und Bunker aus vergangenen Zeiten. Kaum vorstellbar, dass hier gekämpft wurde. Etwas nördlich vom Kap gibt es eine Pinguinkolonie. In einem eigens angelegten Reservoir sollen sich die vom Aussterben bedrohten Tiere entwickeln. Am besten soll das Naturerlebnis übrigens im Krüger Nationalpark sein. Diese Tour habe ich mir für Mitte März vorgenommen.

Dienstag, 23. Februar 2010

Warten auf den Schiri beim Videobeweis



Lautes Trommeln, Gitarren und Vuvuzuelas verboten. Wo gibt es denn so etwas? Im Newlands-Stadion in Kapstadt beispielsweise, wo die Stormers am Wochenende die Waratahs aus Australien empfangen haben. Rugby ist, wie bereits erwähnt, ein weißer Sport.

Bei der WM werden diese Musikinstrumente wohl erlaubt sein. Schließlich sind diese Teil der (süd-)afrikanischen Fußballkultur. Nichtsdestoweniger kann man den Ansturm bei einem Rugbyspiel mit einem Bundesligaspiel vergleichen. Allerdings bezahlt man bei für die besten Plätze im Stadion umgerechnet keine 10 Euro. Rugby ist sehr körperbetont. Es geht prinzipiell darum, den Ball hinter die gegnerische Touchdownlinie zu bekommen. Der Ball darf nur nach vorne gekickt werden. Werfen darf man das Ei nur nach hinten. Raumgewinn erziehlt man zu Fuß. Der Videobeweis ist ein gängiges Hilfsmittel der Schiedsrichter.



Das Zeichen hierfür kennt man bei uns als „Timeout“. In diesem Fall schauen alle gespannt auf die Videowand und warten auf das Urteil. Insgesamt ist Rugby trotz seiner Härte erstaunlich fair. Was im Fußball zu einer Spielertraube und roten Karten führt, ist hier alltäglich. Es gibt zwar auch gelbe Karten, wovon der Schiri in diesem Spiel trotz kleinerer Raufereien keinen Gebrauch gemacht hat. Eine gelbe Karte beim Rugby bedeutet einen Feldverweis für zehn Minuten. Endstand war nach zweimal 40 Minuten 27:6 für die Stormers. Jetzt heißt es wieder, die Maties beim zweiten Heimspiel zu unterstützen. Unsere Unimannschaft führt nach drei Spielen die Tabelle an. Uni-rugby wird in Südafrika sogar im TV übertragen.

Sonntag, 14. Februar 2010

Doch nicht zum Spiel ins Soccer-Stadium?


Die anstehende WM – zum ersten Mal auf afrikanischen Plätzen ausgetragen – ist für die meisten Europäer das Top Event des Jahres. Bayernpräsident Uli Hoeneß hat sich wegen nicht gänzlich geklärter Sicherheitsaspekte jüngst gegen eine WM in Afrika ausgesprochen.
Sicherheit ist ein großes Thema, nicht erst seit den Vorfällen beim Afrika-Cup. Seit ich in Stellenbosch bin, habe ich bisher keine Kriminalität und Gewalt erlebt.

Allerdings sind die Verhältnisse hier nicht vergleichbar mit den größeren Städten. Insgesamt sei das Western Cape der ruhigere Bereich Südafrikas, sagt man mir. Andernorts, vor allem in und um Johannesburg, gehe es extremer zu. Von weißen Südafrikanern wurde ich bereits davor gewarnt, mir Spiele im Soccer City Stadion anzuschauen. Ausgerechnet dort hat aber die deutsche Nationalmannschaft ihr letztes Gruppenspiel. Das Stadion befindet sich wohl direkt im Township Soweto. Ich bekam schon ein mulmiges Gefühl, als ich hören musste, was in diesem Township so an der Tagesordnung sei. So sei ein auf dem Weg nach Hause überfallen worden.

Er hatte den Kriminellen alles überlassen, was er bei sich hatte. Nur den Ehering wollte er nicht hergeben. Das war sein Todesurteil. Der Transport der Fans gestaltet sich ebenfalls äußerst schwierig. Die Infrastruktur ist schlecht und öffentliche Verkehrsmittel sollten, wie auch das Taxifahren, weitestgehend vermieden werden. Ich war bisher schon mit dem Zug unterwegs, was zur täglichen Arbeitszeit kein Problem darstellt. Ich wurde aber schon mehrfach davor gewarnt, abends Zug zu fahren. Man ist dort tagsüber fast ausschließlich unter Schwarzen, die sich allerdings keineswegs negativ verhalten. Im Gegenteil: Mir hat man hilfsbereit den Weg erklärt, als ich danach gefragt habe. An den öffentlichen Verkehrsmitteln sollte bis Turnierbeginn noch gearbeitet werden.


Dies sei ein Grund dafür, dass es hier kaum Werbung gibt. Man wolle nicht unnötig viel Geld dafür ausgeben, sondern mehr in eine nachhaltigere Infrastruktur investieren, lautet der Plan der Organisation.